Über den Besuch des Sozialministers Herrn Grüttner (CDU) in Nauheim musste man erst mal ein paar Tage in Ruhe nachdenken, hatte man doch zumindest die Hoffnung etwas positives daran finden zu können. Leider ist es mir trotzdem nicht gelungen.

Betonte der Bürgermeister Herr Fischer (CDU) ausdrücklich, dass dies kein Wahlkampftermin gewesen sei, erhielt es doch gerade ganz zu Beginn doch den entsprechenden Anschein. Saßen doch in der ersten Reihe gerade die CDU-Bürgermeisterkollegen schön aufgereiht und betonte der Minister gleich zu Beginn, was die aktuelle Landesregierung doch allzu tolles geleistet habe.

War das Thema doch „Kinder, Familie und Kitas im Wandel der Zeit“ wurde der Abend primär mit dem Schwerpunkt der fehlenden Erzieherinnen und Erzieher geprägt. Sehr gut vorbereitete Erzieherinnen und Erzieher hatten differenzierte Fragen vorbereitet, die der Minister beantworten sollte. Fragen nach besserer Personalausstattung, Reform der Erzieherausbildung usw. wurden aber schlicht nicht zufriedenstellend beantwortet.

Die Antworten des Ministers ließen sich ganz schnell zusammenfassen:
Außer, dass das Land Geld für die auf sechs Stunden beschränkte Finanzierung der Kindertagesstätten Beiträge der Eltern bereitstellt, schob er jede Verantwortung für die Entwicklung der Kinderbetreuung an die Kommunen, Träger und Tarifparteien ab. Immer wieder betonte er dies auf die intensiven Nachfragen der Erzieherinnen und Eltern.

Fragen zur Situation der Eltern mit der Notwendigkeit einer besseren Kinderbetreuung kamen erst gar nicht zum Zuge. Die Notwendigkeit der Finanzierung von Kinderkrippenbeiträgen in der U3-Betreuung blockte er gleich ab, das wäre jetzt hier nicht das Thema. Auch Beiträge über eine umfassende Bildungsreform beginnend vom Kleinkind bis hin zur Grundschule als zusammenhängende aufeinander abgestimmtes Bildungs- und Betreuungsangebot wurden übergangen und fanden beim Minister kaum Gehör.

Was bleibt hängen von diesem Abend?

Eigentlich verhaftet die CDU weiter an dem traditionellen Familienbild mit der Frau, die für die Kinderbetreuung zuhause bleibt. Okay, auf Grund gesellschaftlichem und politischen Druck, auch seitens der SPD, wurde nun eine landesfinanzierte Betreuung der Kinder ab 3 Jahre für sechs Stunden zugestanden. Aber bitte schön, die Frau hat spätestens am Nachmittag und bei Kindern unter drei Jahren sowieso zuhause zu sein. Ein Familienbild, welches modernen Familien und gar Alleinerziehenden immer noch nicht gerecht wird.

Und ein Landesminister, der sämtliche Verantwortung nach unten abdrückt und mit zunehmenden kritischen Fragen nur noch einen genervten Eindruck hinterlassen hat. Das Kooperationsverbot in Deutschland hat aus Sicht eines CDU Ministers wohl doch seine Vorteile, wenn Verantwortung damit so einfach weggeschoben wird.

Doch der Versuch einer CDU Wahlkampfveranstaltung, die aber vielleicht nach hinten losging?

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