Um Sie ein wenig mit der Geschichte der SPD vertraut zu machen, habe wir die Daten und Ereignisse chronologisch in
Kurzform aufgeschrieben und einige Bilder zusammengestellt. wir hoffen, Sie haben ein wenig Interesse an der Entwicklung
der SPD in Nauheim. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.
Im Jahre 1906 gründeten elf Nauheimer Männer den „Wahlverein Nauheim“, der damit die Keimzelle der SPD in Nauheim
werden sollte. Die Namen dieser Männer waren:
Andreas Becker - Adam Becker - Anton Wetzel - Bernhard Kaul - Philipp Klein - Adam Diehl - Ludwig Schoch - Konrad Engroff
- Fritz Engroff.
In
dieser Zeit war es ein schwieriges Unterfangen die sozialen Ideen für einen
besseren Lebensstandard für Arbeiter und Familien die unter dem
Existenzminimum leben mussten umzusetzen. Die Männer wurden als die „Roten“
betitelt und argwöhnisch beobachtet. Ihre Eingaben an den Gemeinderat wurden in
der Regel ignoriert.
Nach dem 1. Weltkrieg änderte sich die Situation grundlegend. Erstmals wurden
freie und geheime Wahlen für alle Bürgerinnen und Bürger eingeführt.
Die Gemeindratswahlen am 09.11.1919 brachten für die SPD ein beachtliches
Ergebnis. Von 12 zu wählenden Gemeinderäten konnte die SPD gleich fünf SPD-
Mitglieder in den Gemeinderat entsenden. Im gleichen Jahr stellte der damalige
Bürgermeister Johannes Berz sein Amt aus Altersgründen zur Verfügung. Am
30.11.1919 wurde deshalb ein neuer Bürgermeister gewählt. Mit einer Mehrheit von
62% wurde Heinrich Kaul als erster sozialdemokratischer Bürgermeister von
Nauheim gewählt.
In 1925 erhält die SPD die Mehrheit im Gemeinderat und Heinrich Kaul wird mit
77% aller Stimmen wiedergewählt.
Aufgrund der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird er 1933 aus seinem Amt
entlassen. Die SPD wurde durch die Nationalsozialisten aufgelöst und verboten.
Damit waren alle Tätigkeiten der SPD nach außen hin erloschen. Als das „Dritte
Reich“ 1945 zusammenbrach, waren es in Nauheim insbesondere die Frauen und
Männer der SPD und andere demokratisch denkende Bürgerinnen und Bürger die
das kommunale Leben wieder in Gang bringen.
Heinrich Kaul wird von den Alliierten erneut als Bürgermeister eingesetzt und 1946
bei den Kommunalwahlen bestätigt. Schon 1948 fanden die nächsten
Kommunalwahlen statt, Die SPD erhielt 7 von 15 Sitzen.
Zum Nachfolger von Bürgermeister Kaul wurde 1948 der Sozialdemokrat Georg Schad gewählt.
In 1952 erhielt die SPD bei den Kommunalwahlen 9 von 15 Sitzen.
Auch 1956 war die SPD wieder mit großer Mehrheit zur stärksten Partei in Nauheim gewählt worden.
Die Kommunalwahlen 1960 setzten diesen Trend fort, die SPD erhielt 54,5% der Stimmen. Bürgermeister Georg Schad trat
im Jahr 1963 aus Alters- und Gesundheitsgründen zurück.
Der amtierende 1. Stadtrat und Sozialdemokrat aus Groß-Gerau, Dr. Herbert Fürbeth, wurde neuer Bürgermeister in
Nauheim. Im gleichen Jahr fand das Kreisfest zum 100- jährigen Gründungsfest der SPD statt. Rudolf Klose war damals
Ortsvereinsvorsitzender der SPD.
Anlässlich der Kommunalwahl 1964 erhielt die SPD ein Ergebnis von 57,1% der Stimmen. Erstmals
wurde das SPD-Mitglied Horst Glotzbach in das Parlament gewählt. Er war bis 27. März 2011 als
Gemeindevertreter aktiv und war lange Zei das älteste Mitglied im Gemeindeparlament.
In einer Mitgliederversammlung 1965 wurde eine Resolution gegen die Erweiterung des Frankfurter
Flughafens mit großer Mehrheit beschlossen. Die SPD sah damals schon die Gefahr der
Lebensgrundlagen für die Region bedroht.
Die Kommunalwahl 1968 brachte der SPD erhebliche Verluste, sie erreichte „nur“ noch 47,3% der
Stimmen.
Im März 1969 wurde Ulrich Becker zum Ortsvereinsvorsitzenden gewählt. Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation
„JUSO“ war Volker Engroff.
Im Mai 1969 wurde der Sozialdemokrat Hermann Reitz zum Bürgermeister gewählt.
In 1972 fand eine für die SPD sehr erfolgreiche Kommunalwahl statt, sie hatte einen Stimmenzuwachs von 13,5% zu
verzeichnen und erreichte stattliche 60,8 % .
Im gleichen Jahr wurde Volker Engroff zum 1. Vorsitzenden des Ortsvereins gewählt.
Wenig später begann eine sehr schwierige Entwicklung in der SPD. Die Auseinandersetzungen innerhalb der Partei mit dem
Bürgermeister Hermann Reitz über das Baugebiet im Teich und anderen grundsätzlichen Problemen eskalierten zu einem
nicht mehr aufzuhaltenden Desaster. Zahlreiche Rücktritte und Austritte waren die Folge. Höhepunkt
der Auseinandersetzungen war die Abwahl von Bürgermeister Hermann Reitz im Jahre 1975.
Mit dem damals 33- jährigen Amtsrat und SPD- Mann Rudolf Zaich wurde im gleichen Jahr ein
ausgesprochen qualifizierter Verwaltungsfachmann zum Nachfolger gewählt.
Zur Kommunalwahl 1977 erlitt die SPD erstmals nach dem Krieg eine so empfindliche Niederlage, dass
sie mit 32.9% nur zweitstärkste Fraktion in Nauheim wurde. Dies waren nicht zuletzt die Konsequenzen
aus den innerparteilichen Auseinandersetzungen.
Zusammen mit den anderen Parteien in der Gemeindevertretung wurde ein 17- Punkte- Programm für
die Zukunft Nauheims aufgestellt.
Rudolf Zaich erwies sich als umsichtiger Bürgermeister, der es verstand, diese Programmpunkte auch
größtenteils umzusetzen.
Zur Jahreshauptversammlung in 1977 wurde Alfred Geyer zum 1. Vorsitzenden gewählt.
Zur Kommunalwahl in 1981 errang die SPD mit dem Gewinn von zwei Sitzen wieder die Mehrheit im
Parlament. In diese Zeit fällt auch der „Kampf“ der SPD um den Erhalt des alten Rathauses. Eine
Mehrheit der Nauheimer Bürgerinnen und Bürger war für den Abriss des alten
Gebäudes. Die SPD und hier insbesondere Walter Luft setzten sich für den Erhalt
ein. Sie konnten sich letztendlich durchsetzen und dieses Schmuckstück erhalten.
Das Jahr 1985 begann für die SPD erfreulich. Sie errang bei der Kommunalwahl im
März mit 52,5% die absolute Mehrheit zurück. Zur Jahreshauptversammlung gab es
einen Wechsel an der SPD- Spitze. Alfred Geyer wurde Fraktionsvorsitzender und
Siegfried Rodenhäuser- ein „Neubürger“ aus dem Baugebiet „im Teich“ - 1.
Vorsitzender.
Die Kommunalwahl in 1989 brachte ein noch besseres Ergebnis für die SPD als 1985.
Sie errang 54,5% der Stimmen und konnte so die absolute Mehrheit in der
Gemeindevertretung noch ausbauen.
Allerdings hatte die SPD ein schwieriges Problem zu lösen. Die Sanierung der
Kläranlage war dringend notwendig. Die Kosten dafür betrugen mehr als 16 Mio. DM.
Diese Kosten müssen von den Nutzern der Anlage aufgebracht werden; die SPD als
stärkste Fraktion hatte zu entscheiden, wie dies geschehen sollte. Sie entschied sich für eine einmalige Zahlung, dem
„Klärbeitrag“. Die Bevölkerung war damit nicht einverstanden. Im Laufe der Auseinandersetzungen, die zum Teil mit unfären
Attacken gegen SPD-Mandatsträger abliefen, verzichtete Rudolf Zaich auf eine weitere Amtszeit und trat zur
Bürgermeisterwahl im Mai 1993 nach 18 Jahren im Bürgermeisteramt nicht mehr an.
Die SPD verlor zur Kommunalwahl im März 1993 ihre absolute Mehrheit und fiel auf 34,9% zurück. Bei der
Bürgermeisterwahl - erstmals eine Persönlichkeitswahl - gewann mit Helmut Fischer, ein
CDU- Mitglied, die Wahl. Klaus Pape von der SPD hatte keine Chance. Die
„Klärbeitragsentscheidung“ hat zu Mehrheitsverhältnissen geführt, die der SPD wenig
Spielraum boten ihre Vorstellungen im Parlament durchzusetzen.
Anlässlich der Jahreshauptversammlung in 1994 wird Horst Glotzbach zum neuen 1.
Vorsitzenden der SPD gewählt. Er verstand es, in
diesen schwierigen Zeiten die Reihen fest
zusammenzuhalten.
Die Kommunalwahl 1997 brachte zwar eine
Verbesserung des Wahlergebnisse um 1,7% gegenüber 1993, reichte aber mit 36,6 % nicht
aus, um sich in der Gemeindevertretung gegen CDU und FLN zu behaupten.
1998 feiert die SPD „25 Jahre Hegbachseefest“. Dieses, ursprünglich von dem damaligen
„Jungsozialisten“ Jürgen Schade ins Leben gerufene Fest, ist inzwischen eines der ältesten
Vereinsfeste in Nauheim und lockt alljährlich Alt und Jung an den Hegbachsee.
Im Januar 1999 löst Sabine Opper Horst Glotzbach als 1. Vorsitzenden der SPD ab. Damit
stand erstmals eine Frau an der Spitze des SPD- Ortsvereins in Nauheim. In diesem Jahr
fand auch die Bürgermeisterwahl statt. Gegen den amtierenden CDU-Bürgermeister Fischer trat von der SPD Wolfgang
Glotzbach an. Er hatte keine ausreichenden Chancen; der amtierende Bürgermeister gewann im ersten Wahlgang.
Die Kommunalwahl in 2001 brachte für die SPD noch immer nicht das von ihr erhoffte Ergebnis, die CDU blieb stärkste
Fraktion.
In 2002 wurde Walter Hermann erster Vorsitzender im Ortsverein Nauheim.
Bei den Bürgermeisterwahlen in 2005 kandidierte Bürgermeister Fischer nicht mehr. Neue Kandidaten von CDU, Bündnis
90/Die Grünen und SPD traten gegeneinander an. Für die SPD kandidierte der Forst- und Verwaltungsfachmann Dipl. Ing.
Ingo Waltz aus Mörfelden-Walldorf. Schon im ersten Wahlgang erhielt er die Mehrheit. Die Stichwahl mit dem CDU-
Kandidaten brachte dann ein eindeutiges Ergebnis für Ingo Waltz. Damit hatte Nauheim wieder einen Bürgermeister aus den
Reihen der SPD.
Die Kommunalwahl im März 2006 brachte für die SPD ein Ergebnis von 41,5 % der Stimmen, mit dem die SPD wieder die
Mehrheit der Sitze in der Gemeindevertretung stellen konnte.
Im April 2006 löste Walter Hermann den bisherigen Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Glotzbach ab und gab seinen 1. Vorsitz
in der SPD ab.
Als neuer 1. Vorsitzender wurde am 21. April 2006 Jürgen Schade gewählt. Im Jahr 2008 wurde dann Walter Hermann
wieder 1. Vorsitender. Zum Fraktionsvorsitzenden wurde Peter Schmidt gewählt.
Bürgermeister Ingo Waltz gab schon früh bekannt, dass er für eine weitere Legislaturperiode nicht mehr zur Verfügung stehen
würde. Die Kommunalwahlen am 27. März 2011 waren für Nauheim damit doppelt wichtig, wurde dorch gleichzeitig der
Bürgermeister neu gewählt. Es standen fünf Kandidaten zur Wahl.Für die SPD kandidierte Wolfgang Glotzbach noch einmal.
Im ersten Wahlgang erreichte keiner der Kandidaten die erforderlichen Stimmen und so kam es am10. April 2011 zur
Stichwahl zwischen Jan Fischer von der CDU (Sohn von Altbürgermeister Fischer) und Wolfgang Glotzbach. Die Stichwahl
gewann klar Jan Fischer.
Bei der Kommunalwahl verlor die SPD die Mehrheit der Stimmen und kam nur noch auf 34,1% der Stimmen. Das ist das
bisher schlechteste Ergebnis seit 1946
Diese kurze Zusammenfassung der über 100- jährigen Geschichte der SPD soll Ihnen zeigen, dass die
sozialdemokratischen Ideale von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit von der SPD in Nauheim gelebt wurden bzw. werden.
Trotz der zuletzt doch schmerzlichen Wahlniederlage erfüllt es uns mit Stolz und Genugtuung, dass wir über eine so lange
Zeit in der Verantwortung stehen durften und die Rahmenbedingungen für ein lebens- und liebenswertes Nauheim schaffen
durften.
Wir werden uns anstrengen, dass wir bis zu nächsten Wahl Ihr Vertrauen wieder zuück gewinnen können. Bürgernähe, eine
gesunde Finanzpolitik und weiterhin ein lebens- und liebenswertes Nauheim werden auch in Zukunft unsere Arbeit prägen.
Die über 100-jährige Geschichte der SPD Nauheim